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Freitag, 3. April 2015

"Bald haben wir keine Rechte mehr!"

Über diesen Satz stolpere ich in den letzten Tagen andauernd. Nur weil ein volksdümmlicher Musikant Sprechdurchfall hatte. Dieser aber ist ansteckend. Und so kann man derzeit überall nachlesen, dass die Männer/Inländer/Heterosexuellen bald gar keine Rechte mehr haben würden.

Die ganze Zeit habe ich mir gedacht, dass ich dieses Wording von irgendwo her kenne. Und dann fiel es mir ein.
Es geht um VORRECHTE. Nicht um allgemeine Menschenrechte. Um Privilegien gehts.

"Bald haben wir gar keine Rechte mehr" - sagten die Plantagenbesitzer des Südens, als die Sklaverei abgeschafft wurde und damit ihr Vorrecht, auf Grund ihrer Hautfarbe andere Menschen wie Dinge zu besitzen.

"Bald haben wir keine Rechte mehr" - sagte der französische Adel, als die französische Revolution begann und ihre Vorrechte fielen.

"Bald haben wir keine Rechte mehr" - sagten die weißen Siedler in Südafrika, als die Apartheid abgeschafft wurde und es mit ihren Vorrechten vorbei war.

"Bald haben wir keine Rechte mehr" - sagten Unternehmer_innen, als gesetzliche Regelungen die Arbeitszeit, den Lohn und das Alter einer Arbeitsaufnahme regelten.

Zu weit hergeholt? Okay, schauen wir nach Österreich. Als in den Siebzigern endlich die Gesetze reformiert wurden und Frauen gleichgestellt wurden (Beruf ausüben , ohne den Mann fragen zu müssen, Fristenlösung etc.) da schrien viele: "Bald haben wir keine Rechte mehr!"

Und jetzt findet ein Aushängeschild rechtskonservativer Haltung (der punktgenaues Zielgruppenmarketing betreibt), dass er es als heterosexueller Mann schwer hat - weil er nicht mehr bevorzugt wird, sondern weil andere die selben Rechte haben wie er?

Tausende und Abertausende stimmen ihm im Netz zu. Auch sie fühlen sich ihrer Vorrechte beraubt - weil alle anderen diese ebenfalls haben. Und jetzt ist es eben nur mehr Recht, dass für alle unterschiedslos gilt. (Komisch, ich erinnere mich deutlich, dass irgendwo steht: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren" )

Ja, das ist zweifellos bitter für Manche. Willkommen im 21.Jahrhundert

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