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Mittwoch, 4. März 2015

"Taubenschach" - oder warum so vielen Menschen das Denken so schwer fällt....

Wenn man ein bissl krank ist und das Haus nicht verlassen kann, hat man Zeit, diverse Foren zu lesen und Diskussionen zu folgen. Und Zeit, über Ansichten und Vorkommnisse zu reflektieren. Fazit: Der seelischen Gesundheit ist dies definitiv nicht zuträglich (aber das Heilmittel ist, wie immer, das Schreiben darüber)
Drei Mal "Taubenschach" also (wenn man mit Idioten diskutiert ist das wie mit einer Taube Schach spielen - man macht einen Zug, aber die Taube spaziert nur auf dem Brett herum, wirft ein paar Figuren um, scheißt dann aufs Brett und fühlt sich im Recht)

1) Die NMS (Neue Mittelschule) hat also die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt.

Die "Tauben" in diesem Schachspiel wissen genau, wer schuld ist. Die Regierung. Und die Lehrer_innen. Und die "Ausländer". Außerdem war das Niveau früher viel, viel höher....

Ja, die Regierung ist schuld. Weil sie zwar vorgesehen hat, dass AHS Lehrer_innen und Hauptschullehrer_innen gemeinsam unterrichten, aber nicht für die Rahmenbedingungen sorgen konnte. Das heißt, die Lehrpersonen sind die selben geblieben, die AHS Lehrpersonen sind dort, wo sie bezahlungsmäßig besser aufgehoben sind: an der AHS.

An den sozioökonomischen Faktoren, die die Schere zwischen AHS Abgängerinnen und NMS Abgängerinnen so aufgehen lässt, hat sich nichts geändert. (Bildung und Herkunft gehören immer noch zusammen, Siehe diverse Studien. Wer arm ist, ist häufig bildungsfern. Kinder bildungsferner Eltern kommen nicht in die AHS)

Als ich vor zwei Jahren in einer Volksschule unterrichtete,war die Meinung der Kolleg_innen ganz klar. "Es muss ja Handwerker auch geben", darum erteilten sie die Reife für die AHS nicht. Besonders den Kindern, deren Eltern nicht in die Schule kamen. ich erinnere mich an einen besonders gemeinen Fall. M. , ein Flüchtling, der in den vier Jahren sehr gut Deutsch gelernt hatte, war eigentlich locker reif für ein Gymnasium. Seine Mutter, die von 6 Uhr früh bis am Nachmittag Büros putzte, konnte jedoch weder lesen noch schreiben. Sie war damit beschäftigt, ihre zwei Kinder durchzubringen - den Vater hatte man daheim, in den Bürgerkriegswirren, vor den Augen der Familie erschossen.
Warum denn der M den Zettel für die AHS Anmeldung nicht bekommen hätte, fragte ich die Kollegin. "Na wenn niemand von den Eltern zu mir kommt..." sagte sie spitz..."und es muss ja Handwerker auch geben", war der Nachsatz. M. wäre ohne meine Intervention jetzt in einer KMS oder NMS, fraglos unter "Seinesgleichen" - für die Kollegin.

Und? Ist das Niveau tatsächlich niedriger geworden?
Nein, nicht an der AHS. Anders ist der Lehrstoff, praxisbezogener, fordernder. Das, was mein eigenes Kind z. B. in Mathe in der Oberstufe lernt, hab ich auch gelernt - allerdings auswendig. Und ich konnte es nie anwenden. Sie schon. Auch die Lerngegenstände wie Geschichte und Geografie sind vom aufzählenden "Wissen" zu etwas Anderem geworden - und zweifellos zu etwas Besserem.
Es gibt auch nicht weniger Literaturunterricht, sondern mehr.
Aber die "Tauben", die ihr Schulwissen mit dem heutigen Stoff gar nicht vergleichen können, verstehen das nicht. Also muss es schlechter geworden sein.

2) Die Sozialschmarotzer- Diskussion

Ja klar, die Neid-Diskussion schlechthin. Die "Tauben" wissen genau, was Sache ist. Sie sind der "Mittelstand", der für alle anderen zahlt.
Sie sind der Mittelstand, der nachweislich mehr Transferleistungen erhält als die Unterschicht, der sie alles neiden. Denn sie bekommen Kindergeld, zahlen nachweislich weniger für Wohnen und Transport und können mehr absetzen als die prekär Beschäftigten, als die Arbeitslosen und die nicht mehr Arbeitsfähigen.

Besonders nett finde ich immer wieder, dass gerade die sich am meisten aufregen, die ihrerseits "das System" schamlos ausnutzen - indem sie schwarz arbeiten, aber offiziell arbeitslos sind oder Mitarbeiter_innen selbst schwarz bezahlen (oder geringfügig), weil die Menschen, die sie beschäftigen, ohnehin vom AMS Geld bekommen.

3) Die vererbte Rohheit


In der Schule kommt die Frage auf, ob es die "gesunde Watsche" gäbe. Nein, sag ich. Doch. sagen ein paar Jungs. Wie solle man sonst ein Kind bestrafen, wenn es z.B etwas runtergeworfen und kaputt gemacht hätte? Ich bin sprachlos.
Ja seine Mutter hätte ihn immer 10 Minuten eiskalt geduscht, sagt einer. Weil sonst hätte er sich nicht beruhigen lassen - das mache er auch heute noch, wenn er wütend sei.
Ob das eine gute Strategie sei, frage ich. Er weiß es nicht. Aber er würde das bei seien Kindern später sicher auch so machen. Genau, sagt der mit der Bestrafung fürs Runterwerfen.

Beiden fehlt es im Unterricht an sozialen Fertigkeiten und an Manieren....Job werden die keinen finden oder behalten können...aber das ist ihnen unklar. Lieber schimpfens auf die "Ausländer" - und da schließt sich der Kreis....





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