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Samstag, 28. März 2015

Fetzer und die Gnade der Wahrheit....sneak preview

Kapitel I
“In Wirklichkeit ist er nur ein hacknstader Strizzi mit ana Vorstraf – und an Suchtproblem. Wie i eahm kennenglernt hab, hab i mir gedacht, entweder nimmt der was, was er ned nehman sollt, oder er nimmt was ned, was er aber ganz unbedingt nehmen sollt.“
Fetzer zuckte zusammen. Die redete von ihm. Einfach so. In seiner Gegenwart. Mit einem anderen Weib. Unmittelbar wollte er aufspringen, zu ihr gehen, die Hand heben und – nix und. Er konnte sich nicht bewegen in dem Kasten. Nur zuhören, nachdenken, wütend sein.
A Wahnsinn warns, die Weiber. Okay, vielleicht war es nicht gerade fein gewesen, wie er die Theres behandelt hatte. Aber die hatte das verdient, oder? Von der anderen redete man besser gar nicht. A fetzndepperte Kosmetikerin mit Ansprüchen. An ihn. Ans Leben. Und wie er damals ka Geld mehr ghabt hatte, war sie nur mehr pestig gewesen. Franz, such dir an Job. Franzl, möchtest nicht dort oder dort anfangen? Franz, da sind zwei Rechnungen, was soll i machen? Jetzt redeten sie über die Sache mit dem „Roten Hund“. Na das hatte er gerade noch gebraucht!
Fetzer versuchte sich selbst zu erklären, wie er in diese Situation gekommen war. Angefangen hatte es mit seinem Job im „Roten Hund“. Oder nein, angefangen hatte es damit, dass er sich selbst aus dem Polizeidienst entfernt hatte. Weil er die Theres in seinem gerechten Zorn beinahe erschossen hätt. Ja, genau. Gerechter Zorn war es gewesen, nichts anderes! Aber recht hatte er gehabt, dass er sich in der Kabane des Padrone versteckt hatte. Dass er beinahe ertrunken war, im Koma gelegen hatte und seither leicht den Fuß nachzog, daran dachte er kaum mehr.
Dann hatte er im „Roten Hund“ gearbeitet. Perfekt, wie immer noch meinte. Ein guter Kellner ist nicht zu ersetzen, hatte der Blasse ihm gesagt, aber er müsse es wohl versuchen, jetzt, wo das Verfahren anhängig sei wegen der vorsätzlichen schweren Körperverletzung. Immerhin sei das ein Gast gewesen, Fetzer, und ein guter Freund des Padrone!
Ja woher hätt ma auch wissen solln, dass der hiesige Mafiacapo grad Geschäftsbesuch hatte? Und ein Fetzer lässt sich von niemandem Krüppel schimpfen. Von niemandem!
A bissl peinlich war das gewesen, dass im Zuge der nachfolgenden Ermittlungen der Padrone aufgeflogen war und jetzt beide in Stein waren – der eine lang auf der Krankenabteilung, der andere in Einzelhaft. Er hatte dadurch die unehrenhafte Entlassung aus dem Polizeidienst kassiert,  den Job beim „Blassen“ verloren und war irgendwie wieder beim Getscherl gelandet, denn die Theres hatte auf seine Entschuldigung nicht reagiert.  Genauso wie die Padrona, die die Geschäfte ihres Mannes während seiner Abwesenheit führte. Ausrichten hatte sie ihm lassen durch den Matteo, dass sie einen „infedele“ nicht in der Familie haben wolle, sie mache jetzt die Regeln und es herrsche ein anderer Ton!
Weiber. Alle gleich. Kein Verständnis. Nachtragend und bösartig, allesamt!
Langsam wurde es unangenehm eng in dem Kasten. Die Weiber draußen am Tisch tranken jetzt offenbar Prosecco. Wie war er gleich nochmal auf die Theres und auf das Getscherl gekommen? Weil ihn die beiden an sie erinnerten vermutlich. Unprofessionell ist das, Fetzer. Sogar für den unprofessionellen Ermittler einer höchst fragwürdigen Infobroker-Agentur. Privatdetektiv durfte er sich nicht nennen, die Vorstrafe würde noch drei Jahre lang eingetragen sein und auch danach konnte er sich die Lösung eines Gewerbescheins aufzeichnen.
Deshalb sitzt jetzt in einem Bürokasten, Fetzer. Weilst a Idiot warst. Na. Bist. Und weilst dei Geld mit dem Bespitzeln von Wirtschaftskriminellen verdienst.
Na wie der Spitz und der Navratil glacht hatten, als er ihnen das erzählt hatte! Die Lichtblau hatte nur den Kopf geschüttelt, aber ihm wenigstens versprochen, ihn bei Bedarf mit Informationen zu versorgen – jetzt, wo sie seiner Ermittlergruppe vorstand. Wo jetzt übrigens auch ein anderer Ton herrsche.

Weiber. Was soll man da noch sagen.

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