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Samstag, 31. Dezember 2011

Textinterpretation und Rezeption eines Textes

Ein interessantes Phänomen ist aufgetreten. Fetzer 1 (Fetzer und die Ordnung der Dinge) wird, wie intendiert, ganz unterschiedlich rezipiert.
Je nach intellektueller Fertigkeit gibt es unterschiedliche Lesergruppen:
Während es die Einen als genaue Beschreibung ihnen bekannter Personen nehmen, wobei diese Personen dem Autor gar nicht bekannt sein mussten, was ein schöner Beweis für individuelle Textinterpretation und das Schaffen eines eigenen, gar nicht vom Autor intendierten Subtextes ist, nehmen es die Anderen als Parabel einer sicher existierenden Welt, auch wenn ihnen diese nicht bekannt ist.
Und da wir in vernetzten Zeiten leben, wo nicht nur Bücher über andere Bücher sprechen (siehe Umberto Eco), sondern Rezipienten dieser Bücher über den beim Lesen entstandenen Subtext sich mit anderen Rezipienten austauschen, ensteht plötzlich ein Subtext, der den Anspruch auf Wahrheit eher hat als der intendierte Subtext - da viel mehr Individuen diesen Subtext plötzlich wahrnehmen und weitertragen als es dem Autor mit seinem ursprünglich intendierten Subtext möglich gewesen wäre.....so existiert plötzlich ein Subtext im Subtext :-)
Allem Anschein nach existieren gleich mehrere solche...

Die Leser mit einer ausgeprägten intellektuellen Fertigkeit hingegen schätzen die psychologische Entwicklung der Figuren und sind durchaus fähig, den "plot" als notwendiges Mittel zum Transport dieser Entwicklungsgeschichte zu verstehen. Sie entdecken einen anderen Subtext und fragen dezidiert nach einzelnen Chharakterzügen, deren Entstehung und nach einer möglichen Auflösung bzw. Entwicklung.

Beide Lesergruppen sind dem Autor recht. Ja noch mehr, ich hatte mir gewünscht, ein Buch zu schreiben, das einerseits durch seine Sprache besticht, andererseits vielschichtig verstanden und gedeutet werden könne. Genau dies passiert. Ich mag es, durch die Fragen, die mir zum Text gestellt werden, zu interpretieren, welche Lesergruppe ich vor mir habe :-)


Im zweiten Band werde ich allerdings die erste, auf  Leichtigkeit und Oberflächlichkeit beschränkte Gruppe verlieren. Zu wenig wird ihnen geboten werden für ihre Rezeptionsfähigkeit.

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