Nächste Lesungen

21.10.2017 Mödlinger Kriminacht * 23.00 Uhr*

Mittwoch, 3. August 2011

Auszug aus Kapitel XIX, mit besonderem Dank an meine Rechercheurin ;-)

...ich hab ja das Glück, eine Rechercheurin zu haben, die unter Einsatz ihrer geistigen Gesundheit und mit dem Risiko, ihre seelische Unbeflecktheit zu verlieren (;-)), mir zu zwei der folgenden drei Inhalte verhalf. Nur eine Szene ist also erfunden.... (ich darf den Namen SMart Cafe gern benutzen, die Alice hats erlaubt. Danke Alice! ;-))

".......Wohin jetzt? Ziellos machte er einen Runde. Den Naschmarkt hinauf und wieder hinunter, dann die Köstlergasse hinauf.
Warum steh ich plötzlich vor dem SMart Cafe?
Natürlich, das Frühstücksgespräch mit dem Navratil hatte sich während des Gehens aus dem Unbewussten wieder ins Bewusstsein geschoben, und diesmal mit einer bereits vorhandenen Information aus dem Gehirn verknüpft. Die Oprieschnigschen Vorlieben! Da muss ich ja klarerweise vor dem Smart Cafe stehen. Hier gibt es alles Perverse für alle Perversen. Das Paradies sozusagen. Würd mich nicht wundern, wenn der saubere Herr Chef nackert am Weiberklo liegt und wartet, dass sich eine derbarmt!
Kaum stand er an der Bar, wurde er von hinten umarmt. Ein Griff in sein Kreuz verriet ihm , dass es die Chefin persönlich war – keine einssechzig aber sowas von einem großen Herzen!
Er musste sich umdrehen und hinunterbeugen, um von ihr links und rechts geküsst werden zu können. Nein, er suche niemanden, und er brauche auch nichts. Nur einen Spritzer, bitte.
„Bitte und was?“ „Bitte, Mistress“ Ärgerlich sah er nach links und rechts, ob ihn jemand gehört hatte.
Aber alle Anwesenden waren damit beschäftigt, sich zu präsentieren oder jemanden zu finden, der zur eigenen Fantasievorstellung passen könnte. Die Sklaven hatten ihre Halsbänder angelegt und saßen, bis auf die wenigen Glücklichen, die vor einer Madame knien durften, möglichst gerade auf ihren Hockern und zogen die Bäuche ein, hatten aber großteils vergessen, ihren Gesichtsausdruck von der Verzweiflung des Wartens zu reinigen.
Hinten standen ein paar von den wirklich traurigen Transen, denen endlich mal jemand erklären sollte, wie man sich anziehen sollte, damit man wirklich wie eine Frau ausähe.
Die einzigen wirklich attraktiven Seltsamkeiten in diesem Seltsamkeitenkabinett waren wie immer die Professionellen, aber die scherten sich einen Dreck um die Suchenden und Verzweifelten. Hier war kein Neugeschäft zu machen. Sie waren da, um sich zu entspannen von den Mühen des Tages.
Am Tisch hinter ihm versuchte ein Pärchen, ein Gespräch in Gang zu halten, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Er gab sich belesen und dominant, sie versuchte nicht im Mindesten, ihre Langeweile zu verbergen.
Fetzer drehte sich nicht um, sondern versuchte, anhand der Gesprächsfetzen und des Soziolektes beide Personen vor seinem geistigen Auge entstehen zu lassen.
Er: Um die vierzig, mangelhafte, lückenhafte Bildung, eingelernte Zitate und schöne, gefällige Worte. Sicher eine zu protzige Uhr. Sicher Hals- und Armschmuck. Tät sicher perfekt zum Blassen im „Roten Hund“ passen.
Sie: Jünger als er. Provinzschnepfe. Markenkleidung. Bewusst nachlässiges Äußeres, ist ihm aber eindeutig schicht- und bildungsspezifisch überlegen.
Bei ihrem: „Heast, i geh jetzt.“ drehte er sich um, nur um seine Überlegungen in jedem Punkt bestätigt zu sehen.
„Bitte, gibst mir wenigstens dei Unterhoserl? Ich kauf dir auch ein neues“
Fetzer genoss, wie sich ihr Blick von gequälter Langeweile zu dem einer Forscherin wandelte, die vorhat, in der nächsten Sekunde das eigenartige Insekt, das sie soeben gefunden hat, in ein Ätherglas zu werfen und anschließend aufzuspießen.
Erwartungsgemäß veränderte sich der Gesichtsausdruck ihres Gegenübers nicht. Erst als sie gegangen war, machte sich in seinem Gesicht etwas wie Ratlosigkeit breit.
Jetzt gehns dann beide nach Haus und werden beide gleichermaßen enttäuscht sein vom Anderen. Na besser gleich als später, denn das bleibt ohnehin nicht aus. Fetzer stand auf um zu zahlen.
Die Chefin war in ein Gespräch mit einer Professionellen und deren Liebhaber und Geschäftspartner vertieft.
Der schöne Alex! Ja, vor zwanzig Jahren vielleicht.
„Alex! Her da!“ Dienstbeflissen trottete dieser zu ihm. Nein, er habe von der Geschichte mit dem Hänker nichts gehört, er sei auch, und hier schwang er sich zu gekränkter Empörung auf, kein Stricher und kenne auch keine, er besitze immerhin mit seiner Madame ein Studio.
„I sag dir jetzt was, Gschissener. Der Typ hat Zwölf- bis Vierzehnjährige gfickt. Normale Kinder. Kane Stricher. Ana davon hat deswegen an freiwilligen Abgang gmacht. Hast mi? Wennst also was hörst, von deinen dir ja nicht bekannten Stricherfreunden, dass der vielleicht a Kunde war bei euch Schwuchteln, dann rufst mi an.“
Alex legte ihm eine Hand auf den Oberarm, die Fetzer umgehend entfernte. Ja natürlich. Das gehe gar nicht. Diese Kinderficker hättens schon gfressn, die Kollegen, er könne sich auf ihn verlassen.
„Alice, i zahl!“
„Passt schon, Franzl!“
„Danke!“
„Danke und was?“
„Danke, Mistress.“
Während des gesamten Heimwegs hoffte Fetzer, dass der faszinierte Blick des schönen Alex wenigstens seinem Oberarm gegolten habe und nicht dem Dialog mit der Chefin. Sicher vergeblich.

In der Gumpendorferstraße angekommen fütterte er erst den Kater, dann duschte er ausgiebig, schon um die Spuren der mafiosen Küsserei und außerdem die Eindrücke aus dem Smart Cafe abzuwaschen. Aber manche Dinge kann keine Seife der Welt abwaschen.
Stundenlang ordnete er danach Geschirr und Kleidung.
Dann legte er sich zu Bett. Erst im Halbschlaf, als er sich selbst mit einem Sklavenhalsband im SMartcafe sitzen sah, gestattete er sich zu onanieren.
Kurz bevor ein einschlief, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte nachzuprüfen, ob vielleicht tatsächlich der Oprieschnig auf dem Weiberklo gelegen hatte, um sich anpissen zu lassen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen