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Samstag, 23. Juli 2011

Freitag, der 13. Text für das gleichnamige Programm von "Wort & Ton"



..und dann, spät abends, machten wir Drei das Ritual. Erstens war uns wirklich fad, zweitens hatte unsere Jüngste Grund zu der Annahme, dass sie ohne Ritual an Herz- und Hirnschmerzen sterben würde, und drittens waren wir möglicherweise etwas betrunken.

U. konnte jedenfalls von ihrer lang verflossenen Liebe nicht lassen und wünschte, befreit zu werden und sich öffnen zu können für etwas Neues, oder wohl eher: für einen Neuen.

Das ist einfach, sagte ich. Ein Lösezauber, an Kali Ma gerichtet und, da kann man nichts machen, mit ein wenig Blut als Opfer, wirkt hier sicherlich.

Warum besitze ich eigentlich eine Statue der Kali Ma, dieser dunklen und zerstörerischen Inkarnation von Durga, der allmächtigen und gütigen Mutter?
Sicher nur Zufall!

Drei waren wir, und drei braucht man auch für ein anständiges Hexenritual. Eine Alte, eine Mittlere und eine Junge.
Ein Hexenkreis war schnell gezogen – Wasser und Salz und Feuer zur Reinigung waren zur Hand.
Schwarze und rote Kerzen habe ich immer im Haus, auch ein scharfes, feines Küchenmesser.

Ist es Zufall, dass in einer Küche immer alle Utensilien für ein Hexenritual vorhanden sind? Ich glaube nicht. Wenn die Göttin gewollt hätte, dass Männer hexen, wären die vorgeschriebenen Utensilien in einer Garage zu finden: Ölkanne, Gummireifen und ein Schraubenschlüssel. Oder, für den modernen Typ Mann, im Wohnzimmer: Fernseher, Bierflasche und eine Ausgabe von Penthouse.

Wir bereiteten uns vor: U sollte an den verflossenen Liebsten denken und um Lösung von ihm bitten. Gib mir mein Herz zurück, Kali Ma!

Ich zündete die Kerzen an, sprach die notwendigen, überlieferten Worte, schnitt U in den Finger und opferte den austretenden Blutstropfen an Kali Ma.
Laut betete ich für sie: Gib ihr ihr Herz zurück!

Ich weiß nicht warum, aber ich musste an mein verlorenes Liebchen denken.
O, Kali Ma, dunkle Mutter, gib mir sein Herz zurück, dachte ich im selben Augenblick, und ich schwöre, es war nur eine winzige Sekunde!

Kali Ma, dunkle Göttin, gib mir sein Herz zurück! Das dachte auch B, die Mittlere, denn auch sie hatte ihren Liebsten verloren..(Sie schwört, es war nicht einmal eine Sekunde)

U. aber schwieg und betrachtete ihre Hand.

Später tranken und rauchten wir, dann gingen wir für diesen Tag auseinander und wochenlang dachte keine mehr an das Ritual.

B meldete sich als Erste.
Sie hatte ein sms des verlorenen Liebsten erhalten.
Kurzer, aber eindeutiger Inhalt: „Sex?“

Mich erwischte es als Nächste.
Das für mich bestimmte sms lautete: „...sollte man dich nicht endlich zur Besinnung bringen? Bin um 18.00 Uhr bei dir“

U traf der Hexenfluch vor einigen Tagen.
Der, von dem sie sich lösen wollte, saß, nach fünf Jahren Abwesenheit, plötzlich drei Meter von ihr entfernt in ihrem Stammlokal.

U kann sich nicht erklären, warum das Ritual fehlgeschlagen ist.

B schiebt es auf das falsche Salz, (wahrscheinlich hätte es Meersalz sein müssen), und auf das Wiener Wasser, (das eben nicht von einer Quelle im Wald stammt), und ich rede mich darauf aus, dass ich zu wenig tief geschnitten habe, weil mit mehr Blut wäre die Sache ganz anders ausgegangen.

Oder sollte U, diese junge und unerfahrene Hexe, das Ritual etwa sabotiert haben?
Was hat sich dieses Weib bloß gewünscht?

Wir treffen einander nicht mehr in meiner Küche. Wir gehen statt dessen aus.
Sollten sie in einem Lokal drei Weiber sehen, die misstrauisch den Salzstreuer mustern und das Wasser zum Rotwein standhaft verweigern – das sind wir.
Und wir sind nicht verrückt, wir sind einfach nur :
vorsichtig.




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