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16.10.2015 Diagonalen - gabarage


Freut mich, die gute und wichtige Arbeit vom gabarage wieder zu unterstützen!

Event gabarage


Montag, 7. September 2015

Dienstag, 4. August 2015

3.Mödlinger Kriminacht - 24.10.2015

Ach ich freu mich! Hier mal  die vorläufige Ankündigung:

Diesmal haben wir etwas Besonderes vor...stay tuned...verraten wird nichts aber so viel muss wohl klar sein: Wenn wir so spät dran sind, ist es unter Garantie nicht jugendfrei ;-)

Donnerstag, 23. Juli 2015

Der gewöhnliche österreichische Un-Mensch

Fassungslos sitzen wir täglich vor den Bildschirmen, erschüttert hören wir aufrecht gehenden, angeblich vernunftbegabten Individuen zu, wie gegen Windmühlen schreiben wir mit Fakten gegen Hetze und Dummheit an.
Was auf den ersten Blick nichts nützt. Seit wann ändert Faktenwissen etwas, wenn derjenige ohnehin keine Fakten erfassen, bewerten und anschließend intelligent diskutieren kann?

Ich schreibe absichtlich: "kann", denn jedes Verhalten hat eine "positive" Absicht, die muss nicht gscheit sein, oder reflektiert, oder sinnvoll...sich die Hände vor die Augen halten als Kind, damit man nicht gefunden wird, hat ja auch eine positive, also das Leben und den Verstand erhaltende Funktion, es nützt bloß nichts...

Warum verhält sich also der gewöhnliche österreichische "Un-Mensch" (als Gegenpol zum von ihm so bezeichneten "Gutmenschen") so? Versuchen wir eine Kategorisierung:

Der ungebildete "Loser"

Der ist meist männlich, hat nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung gemacht oder eine Lehre, aber nie wieder eine Weiterbildung. Ganz objektiv gesehen hat er am meisten verloren in den letzten Jahrzehnten. Mehrfach seinen (schlechten) Job zum Beispiel.
Jetzt täte es natürlich ausgesprochen weh und es wäre dem Selbstwert äußerst abträglich, wenn er einen Teil der Schuld bei sich selbst suchen würde.
Viel einfacher ist die Schuldzuweisung an "die da oben" (Regierung, EU, Weltverschwörung), oder "die anderen"(Ausländer, Flüchtlinge, Schwule, Feministinnen)
Solidarität oder Mitgefühl hat er keines - er hat ja ebenfalls weder das eine noch das andere erhalten. Er ist das Musterbeispiel dessen, was die Entsolidarisierung der Gesellschaft und die neoliberale "Idee" hervorgebracht haben. "Alles Glück dem Tüchtigen" ist ihm nicht passiert, obwohl er durchaus tüchtig war, der "trickle down" Effekt des Neoliberalismus fand natürlich nicht statt - weder für ihn noch für sonst jemanden. (Die Verfechter dieses "Effektes" sollen mir das mal am Beispiel der Wiener "Ziegelböhm" erklären, oder am Beispiel des typischen asiatischen "sweat-shops". Theoretisch müssten die alle im Wohlstand leben....)
Er ist anfällig für Demagogie - einfache Schuldzuweisungen, das Aufzählen von Synchronizitäten, plakative manipulierte Fakten - das geht alles, denn er kann kaum sinnerfassend lesen, ist zur Recherche unfähig und muss die Lösung außerhalb von sich selbst suchen. 

Die mit der psychopathologischen Problematik

Sie kamen immer zu kurz im Leben. In ihrer Wahrnehmung haben alle anderen mehr. Das, was sie bekommen, nehmen sie nicht wahr "mir hat auch keiner gholfen!"- sie erleben Mangel. Immer. Seelisch, körperlich, ökonomisch.
"Wann haben sie das jemals für die einheimische Bevölkerung getan?" - ein Userkommentar nach der großartigen Aktion einer Freiwilligen Feuerwehr, die einen Wasserschild aufgestellt hatte für Flüchtlingskinder und ihnen Spaß und Abkühlung ermöglicht hatte.
"Warum krieg ich das nicht?" Jeder würde das bekommen, antwortete Ö3 auf den Kommentar zu einer  Gratis-Eis-Aktion in der Nähe eines Flüchtlingsheims. "Warum stehen sie gerade dort?" ließ der Kommentator nicht nach.
Das sind auch die, die so wahnsinnige Angst haben vor Schwulen, vor Frauen, vor anderen Kulturen - sie definieren sich nicht über ihre Person, sondern über ihre Position (und die verschiebt sich eben unaufhaltsam von einem hierarchischen, patriarchalischen "gottgewollten" System zu etwas ganz Anderem...). Da sie ihren "Wert" aus überkommenen Ideologien beziehen, verlieren sie eben diesen. "Die wollen unsere weiße Großrasse zerstören", "Genderwahn" "Zerstörung der abendländischen, christlichen Kultur"
Sie sind anfällig für die "starke Hand". Ihr eigenes, der bigotten kleinbürgerlichen Gesellschaft gebrachtes Opfer der Konformität, des Verzichtes auf Entfaltung der Person, oft auch des Verzichtes auf ein selbst bestimmtes, glückliches Leben, wäre sinnlos, wenn plötzlich viele unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander existieren könnten, ohne sanktioniert zu werden.

Der verrohte Mitmensch

Er ist laut. Scheinbar. Aber er ist nicht die Mehrheit. Er ist der, der "alle niederschießen!" brüllt. Und: "Ein Flammenwerfer wär besser gwesn" unter das Bild von einem im Sprühregen der Feuerwehr spielenden Flüchtlingsmädchen schreibt. An und für sich wäre er (in diesem Kontext) vernachlässigbar, weil offensichtlich psychiatrisch behandlungsbedürftig. Aber er ist instrumentalisierbar und wird instrumentalisiert - durch die Verantwortlichen, die seine Kommentare stehen lassen. Durch ihn werden Dinge enttabuisiert. Erst in der Sprache, dann in den Köpfen. Vom "niederschießen" zur Diskussion der Vernichtung "unwerten Lebens" ist es dann nicht weit.


Dürfen wir aufhören, gebetsmühlenartig Fakten zu liefern? Nein. Aber wir müssen diese Fakten erfassbar machen, erlebbar.Und wir müssen weiterhin dieser Enttabuisierung von längst überwunden geglaubten "Ideen" entgegen treten. Nicht, indem wir pathologischen Fällen mit Logik und gute Zureden kommen (was soll das nützen?) sondern indem wir jenen entgegentreten, die sich ganz bewusst und vorsätzlich der oben genannten "Un-Menschen" bedienen.

Sonntag, 21. Juni 2015

Wie funktioniert eigentlich Demagogie? (Demagogie für Dummies - eine genaue Anleitung)

Erklären wir zuerst den Begriff:
„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.“
– Martin Morlock 1977

Und unterlegen wir nun mit einem Beispiel:

1) Wir warten auf eine günstige Gelegenheit. 
Diese ergibt sich zum Beispiel, wenn ein psychisch kranker Mensch eine Amokfahrt unternimmt und es zu Toten und Verletzten kommt. Zufällig ist dieser Mensch vielleicht mit vier Jahren als Kriegsflüchtling nach Österreich gekommen. DAS können wir jetzt prima benutzen um

2) an die Gefühle, Instinkte und Vorurteile zu appellieren.
Das machen wir, indem wir die Tatsache, dass dieser Mensch im Ausland geboren wurde, als besonderes und herausragendes Attribut verwenden. Wir schreiben also: "Der Täter ist BOSNIER", wobei es uns gleichgültig ist, dass er wahrscheinlich gar keine Erinnerung mehr an sein ursprüngliches Heimatland hat, außer an den Krieg vielleicht. Jetzt können wir

3) hetzen und lügen.
Wir stellen einfach in den Raum, dass ein politisches Motiv - hier verwenden wir absichtlich das Wort "Terror" - nicht ausgeschlossen werden kann. Und weil wir schon einige Zeit vorgearbeitet haben, können wir jetzt leicht eine "Argumentationskette" aufbauen. Die sieht in etwa so aus: "Kriegsflüchtling - Flüchtling - Wirtschaftsflüchtling - Moslem - Terror"

4) Dann warten wir zurückgelehnt, dass unsere Anhänger diese Argumentationskette fortsetzen.
"...ausweisen - aufhängen..." Wichtig ist es jetzt, das gar nicht mehr zu kommentieren - jetzt ist es öffentlich und wird, weil unsere Gegner ja versuchen, unsere Argumentationskette mit Fakten zu zerreißen, tausendfach wiederholt. Wir wissen aber, dass wir vorher mit Emotionen, Instinkten und Vorurteilen gespielt haben - also bleiben die Fakten ungehört.

5) Sollte sich doch der gesunde Menschenverstand bei einigen durchsetzen, beginnen wir einfach von Neuem. Wir stellen Wahres grob vereinfacht dar, indem wir sagen, dass wir ja nur zitiert haben. Aus einem Boulevardblatt. Dann gehen wir einen Schritt weiter und bezichtigen unsere Gegner der Demagogie - WIR sind die Opfer. UNS unterstellt man Unglaubliches. 
Wichtig ist auch, bei eventuellen Entschuldigungen, zu denen man uns nötigt, nochmals die Schlüsselwörter zu verwenden, die zu allererst die Emotionen, Instinkte und Vorurteile angesprochen haben. Das sieht dann so aus: "...wo jeder Bürger zu Recht über das Verbrechen,den Amoklauf bzw. den Terror, gegen Menschen gerichtet fassungslos ist und damit auch die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft sichtbar wird..." Natürlich hat das Wort "Terror" oder die Phrase "Verletzlichkeit unserer Gesellschaft" in diesem Kontext einen Sinn - so rufen wir unseren Anhängern nochmals ins Gedächtnis, dass vermutlich doch...wer weiß...und wenn nicht in diesem Fall dann zumindest in vielen anderen Fällen.....

Achtung! Genauer dürfen wir natürlich nicht werden - Volksverhetzung ist ein strafrechtlicher Tatbestand!

So. Jetzt wisst ihr, wie das geht. Ist ja eigentlich ganz einfach,oder?

P.S. Sollten ein paar Opfer ebenfalls aus unserer so praktischen "Tätergruppe" sein, dürfen wir das natürlich keinesfalls erwähnen!





Dienstag, 14. April 2015

Gender für Dummies - eine Lehreinheit.

Leute, ich hab den Fehler gemacht, zu viel Online - Zeitung zu lesen (und zu viele Kommentare) - und daher gibt es jetzt, ob es euch gefällt oder nicht, eine Lehreinheit zum Thema Gender.

Begonnen hat es mit diesem unsäglichen Politiker, der sich in die Diskussion um die Bestrafung von sexuellen Übergriffen eingebracht hat. Er kam ja, laut eigener Aussage nur deshalb zu seiner Ehefrau, weil er ihr auf den Hintern griff - eine selbstverständliche Form der Anbahnung, wie er schreibt.
Unmittelbar meldeten sich zahlreiche Poster, die monierten, dass "ein Mann einen Dreck wert sei in Österreich" und "Frauen leider alles dürfen". Man müsse ja in Sorge sein, dass man wegen eines simplen Flirtversuchs verurteilt würde in Zukunft. Und schuld seien natürlich die "Genderisierer".

Okay, wir schreibens mal in leichter Sprache, für die, die sich ein wenig schwer tun beim Zusammensetzen mehrerer Satzteile und beim Erfassen von Fremdwörtern:

1) Es ist nicht zulässig, einen sexuellen Übergriff, (also zum Beispiel an der Sekretärin vorbeigehen , ihren Hintern tätscheln und dabei anerkennend: "No!" sagen) mit einer in einer Flirtsituation passierenden Handbewegung zu vergleichen. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Die absichtliche Vermischung dieser beiden unterschiedlichen Situationen ist unerträglich.

2) Viele Männer fühlen sich plötzlich ihrer Vorrechte beraubt - und ja, Frauen dürfen "alles".
Vor allen Dingen haben sie die selben Rechte. Nicht weniger, nicht mehr. Das scheint weh zu tun.

3) Das hat mit "Gender" etwas zu tun. Gender ist nämlich NICHT das Binnen-I, sondern die Wissenschaft vom anerzogenen Geschlecht. Was wir einem biologischen Geschlecht an Eigenschaften zuschreiben und dementsprechend erziehen und an Verhalten vorschreiben.

Machen wir einen Ausflug in andere Länder, und schauen wir, was man dort einem biologischen Geschlecht zuschreibt. Dann wirds hoffentlich klarer.

Die Fa`afafine auf Samoa

Wenn auf Samoa in einer Familie zu wenig Mädchen geboren werden, die schwere Hausarbeit und das Sorgen für Kinder und Alte übernehmen müssen, wird ein Bub einfach als Mädchen erzogen. Er wird ein Fa`afafine ("wie eine Frau") Denn nur wenn er sich wie eine Frau kleidet, und alle einer Frau zugeschriebenen Eigenschaften und Verhaltensweisen übernimmt, kann er das tun. Weil sich die Samoaner das eben sonst nicht vorstellen können. Allerdings ist ein Faàfafine frei in der Wahl seiner Partner, er kann mit einer Frau, einem Mann oder mit einer Fa`afafine leben...

(Das ist z.B. ein Faàfafine, der Boxer ist...goggelt das mal!)












Dies ist das erste Beispiel von Zuschreibung zu einem Geschlecht - macht Frauenarbeit, muss also "wie eine Frau sein".

Die "Eingeschworenen Jungfrauen" in Albanien

Ja, es gibt sie noch. Heute. Wenn ein Clan keinen Mann mehr als Anführer hat, wird ein Mädchen zur "Eingeschworenen Jungfrau". Sie verzichtet auf alle weiblichen Attribute, muss Jungfrau bleiben - und darf die Geschäfte des Clans führen, ins Wirtshaus gehen und auf der Straße rauchen.
Anders können sich die Albaner offensichtlich nicht vorstellen, dass es funktioniert..

Das hier ist so eine "burrnesha"
Über diese Frau gibt es eine feine Doku, auch auf Youtube.









Ein schönes zweites Beispiel einer Zuschreibung von Eigenschaften zum biologischen Geschlecht...

Die Mosuo in China

Eines der letzten Matriarchate mit einer spannenden Sozialstruktur. Den Frauen gehört alles - Haus, Felder und Vieh, Geld. In Großfamilien leben sie zusammen und die Haushaltsvorständin bestimmt. Auch über ihre Nachfolgerin - sie übergibt den Schlüssel zur Vorratskammer dann einer ihr geeignet scheinenden Frau. Die Männer sind zum Viehhüten da, und zum Schlachten, und für die Begräbnisse - und sie leben im Haushalt ihrer Mütter, denn die Mosuo pflegen die "Besuchsehe". Die Mosuofrau kann sich einen, zwei oder viele Geliebte nehmen - die sie über Nacht auch besuchen können. Wenn sie ihn nicht mehr will, hängt sie ihm seinen Rucksack an den Zaun, dann weiß er, er braucht nicht mehr zu kommen.
Auf den Markt geht natürlich auch die Mosuofrau oder eine ihrer Töchter bzw eine andere Frau aus der Großfamilie - "weil die Männer können das ja gar nicht" , wie eine Mosuo in der Dokumentation auf youtube sagt.
Eine "ah mi", also die Haushaltsvorständin einer Mosuo-Großfamilie.













Das dritte Beispiel einer Zuschreibung zum biologischen Geschlecht.

Mitteleuropa - also Sie und ich...

Wir versuchen, genau diese Zuschreibungen aufzulösen - wir sind keine Stammesgesellschaft mehr, wo das Überleben nur durch ganz klare Rollenverteilung gesichert werden kann. Wir können unsere Rollen wählen. Unabhängig vom Geschlecht. Aber das nimmt natürlich vielen, die sich über ihr Geschlecht definieren, weil sie sonst nichts sind, Sicherheit. Die patriarchalische Gesellschaft (also das Umgekehrte zur Mosuo-Gesellschaft) hat uns geprägt - Jahrhunderte lang wurden Männern und Frauen bestimmte Rollen anerzogen. Der Mann war der Herr im Haus, die Frau sollte die gute Mutter sein - der Mann bestimmte. Er war der Haushaltsvorstand. Dafür durfte er auch keinesfalls "weibliche" Eigenschaften haben....es gab "Frauenberufe" und "Frauenarbeit"und "Männerberufe" und "Männerarbeit", Männer waren "klug" und durften höhere Bildung erwerben, Frauen nicht. Männer durften nicht weich, sanft oder gar schwul sein - pfui wie "unmännlich". Und Frauen nicht unabhängig, stark und frei - wie "unweiblich!"

Aber das haben wir ja hinter uns......oh wait.....

(Weil Sprache auch gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegelt, gibt es eben bei uns, im 21. Jahrhundert, das Bemühen, Zuschreibungen zu unterlassen, So viel zur gendergerechten Schreibweise)